
93 - Fiji - Viti Levu und Yasawa
Zwei Segelboote unterwegs zur Hauptinsel
Wir legen dann los und fahren am Anfang unter Motor Richtung Viti Levu, doch bald kommt der Wind. Die Genua reicht für eine genüssliche Fahrt. Immer noch fehlt unser Grossegel. Abwarten können wir nicht, obwohl es auf Vanua Levu noch einiges zu entdecken gäbe. Unsere Gäste kommen bald.
Hinter uns folgt SY TIMY. Sie haben ein beschädigtes Rigg und sind froh, dass da jemand in der Nähe ist. Wir bleiben die ganze Fahrt zusammen, reisen von einer Bucht zur anderen, schiessen gegenseitig Fotos und Videos (Peter filmt die grosse Schar Delphine, die uns eine Zeitlang begleiten, von unten im Wasser aus!). Als wir einen Thunfisch fangen, teilen wir diesen mit Peter und Natalja, als Dank kommt frischgebackener Bananenkuchen zurück auf die PASITO. Wir haben es gut miteinander.







Unsere Crewliste wird erweitert und ein Good bye
Schlussendlich landen wir in der Vuda Marina! Das war eigentlich nicht geplant, wir wollten die Gäste vor Anker empfangen. Doch Freunde von uns, die wir gerne nochmals treffen wollen und die bald eine andere Reiserichtung einschlagen, sind ebenfalls hier. Und nun liegen unsere Segelschiffe sogar direkt nebeneinander! Die Wiedersehensfreude ist gross.
Am Morgen wird täglich ein freier Yogakurs angeboten und Judith, Denis (ihr neues Crewmitglied) und ich nehmen gerne daran teil. Zusammen etwas erleben ist immer willkommen und tut so gut.
Unsere Gäste Cédric und Phyllis treffen nun ein und können bequem zusteigen.
Später, kurz vor Sonnenuntergang, gibt es noch ein Ritual von Adam. Er hat Gammelfisch in einer rotgelben Dose aus Deutschland dabei. Als er die bereits aufgedunsene Dose höchst vorsichtig öffnet, strömt uns sofort dieser abscheuliche Geruch entgegen. Jetzt braucht es enorme Überwindung und etwas Mut, davon zu essen! Adam macht es vor, alle anderen stehen da, keiner macht dies nach. Die Moskitos zerstechen in der Zwischenzeit unsere Beine und Arme, ihnen macht dieser höllische Gestank nichts aus, es animiert sie eher noch! Erst als Adams Freundin und auch Denis sich mutig vorwagen, überlege ich nicht lange, denke an nichts und mache einfach mit. Wir spüren, dass sich Adam riesig darüber freut, dass wir sein Ritual nicht einfach nur ablehnen, sondern uns überwinden können und einfach mitmachen. Und so zieht Ruedi gleich nach.
Es schmeckt absolut scheusslich - der Fisch hat tausend kleine feine Gräten und ich muss mich höllisch konzentrieren, dass ich nicht kotze. Runterspülen mit Adam's selbstgebranntem Ananasschnaps. Nochmals brauche ich dies wirklich nicht. Aber es ist lustig und bleibt uns in Erinnerung! Am nächsten Tag reist SY VIXEN weiter. Bye.





Wieder vollzählig
Juhui – unser neues Grosssegel ist eingetroffen und – wir glauben es kaum – schon vom Zoll freigegeben :-) :-)
Auf Empfehlung eines anderen Seglers bestellen wir den Taxifahrer Peter, er fährt uns zum DHL und bringt uns mit dem hübsch verpackten neuen Segel in den Händen und überaus strahlenden Augen von Ruedi zum Schiff zurück! So schnell wie möglich ziehen wir es hoch – es passt wie angegossen. Ufff! Wir haben es richtig ausgemessen. Endlich wieder ein Schiff mit komplettem Segelsatz!


Vorbereiten und bunkern
Jetzt ist einkaufen angesagt. Proviant und Getränke für drei Wochen. Es hat anscheinend keine Läden auf den Insel Yasawa, wir müssen also alles dabei haben. Wir wollen den hiesigen Bus nehmen und stellen uns wartend zur Busstation. Über anderthalb Stunden müssen wir ausharren, da ist wohl einer ausgefallen. Zwischendurch holen wir uns an einer Strassenküche indische Wraps mit Fischfüllung - sehr lecker. Dann endlich trifft der Bus ein. Huch, es wird luftig - das Fahrzeug hat keine Scheiben nur ein Dach. Falls es regnen würde, wird einfach die Blache vor die Fenster runtergelassen. Aber so ist nun alles offen und wir kriegen die Umgebung, die Düfte und die Menschen so richtig mit. Macht Spass.
In Lautoka streben wir gleich zum bunten und grossen Markt. Das tut gut, mal wieder richtig viel frisches Gemüse und Früchte zu sehen. Schlussendlich sitzen wir im Taxi mit vielen gefüllten Taschen und Rucksäcken. Inklusive drei Bündel Kavawurzeln.






Erster Kontakt mit einem hiesigen Resort
Am nächsten Tag sind wir bereit für das nächste Abenteuer und legen ab nach Malolo Lai Lai.
Musket Cove - die Bucht vor der Insel mit ihren vielen Riffs, ist sehr beliebt. Fast fünfzig Schiffe zählen wir. Es ist wunderschön und wir liegen komfortabel ruhig.
Am nächsten Tag streben wir an Land, wir wollen nur eines, die Beine bewegen. Das grosse Resort empfängt uns hier sehr offen mit modernem Dinghysteg, diversen Restaurants und sogar einem Laden, der doch einiges anbietet. Gleich kaufen wir noch etwas mehr Tomaten und Ananas ein. Die Runde auf den Naturwegen quer über die Insel und hoch auf die Hügel ist angenehm und verwöhnt uns mit bezaubernden Ausblicken.
Zurück auf dem Schiff entdecken wir Freunde, SY MATARIKI aus Neuseeland, die wir nun über ein Jahr nicht mehr gesehen haben. Auch hier ist die Wiedersehensfreude riesig.



Unser erstes Sevusevu
So, jetzt weiter zur nächsten Insel. Die Wetterprognosen für die nächsten Tage sehen nicht rosig aus. Wir müssen Acht geben, einen sicheren Ankerplatz zu finden.
Vor der Insel Waya, Yatobi heisst die Village, finden wir einen passenden und geschützten Platz.
Tags darauf begeben wir uns an Land. Das erste Bündel Kavawurzeln ist nun wichtig - wir haben es dabei. Sevusevu heisst das traditionelle Begrüssungsritual. Gleich am Strand nehmen uns zwei Jungs David und Louis (13 und 14 Jahre alt) in Empfang. Sie begleiten uns zum Dorfoberhaupt. Auf dem Weg zu ihm, erhalten wir Frauen noch ein Tuch, das wir uns um die Hüften binden sollen. Nackte Frauenbeine sind innerhalb des Ortes nicht erwünscht.
Bei John, den wir mit Handschlag freudig lachend begrüssen, setzen wir uns alle auf die Matte und übergeben ihm die Kavawurzeln. Er spricht in seiner Sprache eine Art Gebet, als er fertig ist, sagt er «Herzlich Willkommen in unserem Dorf – jetzt dürft ihr euch hier frei bewegen und im Meer schwimmen, schnorcheln oder tauchen.» Wir bedanken und verabschieden uns wieder.
David und Louis führen uns durchs ganze Dorf, zeigen hier, begrüssen dort. Ein Mann grilliert Fisch und zeigt sie uns stolz. Im klitzekleinen Dorfladen kaufen wir Corned Beef und Nüssli und machen einen Schwatz mit den beiden Damen dort. Alle Menschen sind äusserst fröhlich und freundlich, überall hören wir Bula – Hallo!










Kulinarisches Highlight
Weiter zur Octopus Bay. Gegen Abend setzen wir über an Land. Zuerst Apéro an der Bar, anschliessend Abendessen im Restaurant. Normalerweise sind Nicht-Resort-Gäste nicht erwünscht, doch dieses ist seglerfreundlich offen. Wir müssen zwar umständlich ein Bargelddepot hinterlegen, doch dann dürfen wir uns frei unter die Leute mischen. Cédric hat sogar die Möglichkeit an einem Kavatrinken-Ritual mitzumachen.
Das Menu mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert ist einfach hervorragend und mundet sehr. Jeder Teller ist stilvoll, hübsch präsentiert und dekoriert, wir geniessen diesen Luxus; an den nackten Füssen spüren wir den feinen Sandboden...
Es rollt sehr, das Schiff schaukelt stark hin und her, so dass wir am nächsten Tag auf die andere Seite der Insel wechseln. Nun kommt viel Wind und wieder Regen. Danach geht es nochmals zurück – der Wind hat gedreht. Jetzt aber schnell weiter. Phyllis war erkältet und ist langsam wieder fit – die beiden wollen gerne eine Tauchtour unternehmen.




Fijianische Herzlichkeit
Natiki heisst die nächste Insel, das Dorf Gunu.
Als wir das Land betreten werden wir umgehend zum Frühstück eingeladen. Wir setzen uns zur Familie dazu, sie sitzen alle auf einer riesengrossen Matte unter dem schattigen und kühlenden Dach auf dem Boden. Schon kriegt jeder von uns eine Tasse Tee mit einem Lemonleaf darin. Ui, schmeckt dieser Tee fein! Dazu noch warmes frisch gebackenes und köstlich duftendes Kokosbrot.
Wir werden viel gefragt und unterhalten uns prächtig. Welch herzliche Gastfreundschaft!
Jetzt werden wir über ihre Tradition informiert und wo das Dorfoberhaupt wohnt, um Sevusevu zu machen. So machen wir uns auf den Weg zu ihm. Auf seine Einwilligung hin, dürfen wir die Hütte betreten, Händeschütteln und vorstellen, dann Platz nehmen auf der Matte am Boden. Übergabe der Kavawurzeln, wieder dieses Gebet und die Ansage «herzlich Willkommen in unserem Ort.» Auch untereinander, also wenn sie ein anderes Dorf besuchen, gilt dieses Ritual, nicht nur für fremden Gäste.
Naomi, die Schwiegertochter des Oberhauptes bedankt sich zuerst bei uns Frauen, dass wir schon mit einem umgebundenen Sarong (Tuch als langer Rock um die Hüften gebunden), auf der Insel eingetroffen sind. Die Männer dürfen aus Respekt keine Kopfbedeckung im Ort tragen!
Sie führt uns durchs ganze Dorf und erklärt uns detailliert das Leben hier. Irgendwann kommen mindestens sieben Frauen mit ihren Schachteln voll Handicraft, und breiten diese auf Tüchern am Boden aus. Kunsthandwerks-Markt. Wir fühlen uns sehr genötigt etwas zu kaufen, es ist uns unangenehm, doch wir kaufen fast jeder Frau etwas Kleines ab.
Jetzt laufen wir auf dem Dschungelpfad allein zu viert zum nächsten Dorf, kehren um, und laufen zurück (hier müssten wir erneut Sesusevu machen, das wollen wir heute aber nicht).
Unterwegs begegnen wir den älteren Schulkindern, die jüngeren werden mit dem Schiff zur Schule gebracht, sie alle plaudern und lachen herzlich mit uns.
Zur Erholung setzen wir uns am Strand in den Schatten. Und schon taucht eine Frau auf und lädt uns zu sich ein; die Familie möchte uns kennen lernen! Wieder kriegen wir Tee und Kuchen, wir tauschen uns aus und geniessen die Gesellschaft.



















Tauchgang und Ciao
Mit leichtem Wind geht's ab zur nächsten Insel Nanuya. Nach dem Ankern fahren wir zum Strand, ziehen das Dinghy auf sicheren Boden hoch und binden es an.
Wir entdecken einen sehr kleinen Laden hier, der doch mehr hat, als man meint, geniessen Apéro im Resort, umrunden zu Fuss die Insel, essen Donuts in Lo’s Tea Shop und geniessen es.







Leider fällt der an Land gebuchte Tauchgang für Phyllis und Cédric ins Wasser – die Tour ist doch schon ausgebucht. Unsere Gäste sind enttäuscht. Gar nicht so einfach hier, wenn man nicht Resortgast ist. Vielleicht klappt es morgen. Doch es klappt wieder nicht. So entschliessen sich die beiden, uns zu verlassen. Kurzerhand buchen sie in einem Backpacker-Resort eine Unterkunft und von dort aus Tauchgänge, sie können am nächsten Tag mit der Fähre dorthin fahren. Im nahen Resort feiern wir bei einem feinen Abendessen unseren Abschied.
Ciao ihr beiden, es hat Spass gemacht. Wir hoffen, ihr habt viel von den Living-a-boards lernen können.

Wir segeln langsam zurück nach Viti Levu. Das Wetter hat sich gebessert, wir können sogar den Motor ruhen lassen und voll die Segel nutzen. Toll!
Wir treffen unsere Freunde von der SY MATARIKI wieder und haben eine gute Zeit miteinander. Leider hören wir von einem anderen Seglerfreund, dass er sein Schiff auf ein Riff gesetzt hat. Er konnte gerettet werden, nun versucht er dies auch mit seinem Boot, was äusserst schwierig ist. Wir fühlen mit ihm – schade und sehr traurig.
Und schon bald geht es weiter nach Westen.
Vanuatu.
Bye







