
71 - Ua Pou
Die ruhig und gediegene Insel
Von weitem sehen die Berge der Insel Ua Pou aus, wie umgekehrte Eiszapfen. Wenn man näherkommt, erinnern sie doch eher an Kirchtürme. Deshalb widmete Jacques Brel der Insel den Chanson La Cathédral.
Eineinhalb Wochen bleiben wir auf Ua Pou, ankern vor dem Hauptort Hakahau im Nordosten der Insel. Mit Heckanker, weil nur ungefähr 6-7 Boote Platz haben. Das ist sehr wichtig, denn am Abend dreht oft der Wind und weht vom Land her, so dass sich alle Schiffe drehen würden - und das würde gar nicht passen. Wir haben zweimal das Vergnügen, dass die ankernden Crews dies zum ersten Mal machen und so ihre liebe Mühe damit haben. Einer muss am Morgen seinen losen Heckanker von der Kette vorne am Bug entwirren. In der Nacht hat sich sein Boot gedreht und ein Chaos produziert. Eine ganze Zeitlang ist er stark beschäftigt. Für ihn gar nicht lustig!
Der Ort selbst ist nicht besonders gross, liegt in einer Ebene und ist äusserst fruchtbar. Die Häuser sind versteckt hinter unzähligen Blumensträuchern und Obstbäumen. Es riecht verführerisch nach Frangipani, Hibiskus und Bougainvillea. Pampelmusen, Mango, Sternenfrüchte, Soursack, Brotfrucht usw. machen so richtig gluschtig.
Dafür sind rundherum die ganzen Hänge dürr und trocken. Seit zwei Jahren schon fehlt hier der regelmässige Regen.
Wer frisches Baguette möchte, muss früh aufstehen. Meistens ist alles kurz nach sieben verkauft. Dann erhältst du dieses nur noch in der Snackbar als casse crout/Sandwich (wie sie es hier nennen). Oder man bestellt sich ein Poulet au citron. Aber diese Portion ist nur für wirklich hungrige Mägen. Wir entdecken, dass die Einheimischen viel bestellen, aber dann den Rest eingepackt nach Hause nehmen.






Das Versorgungsschiff kommt alle 14 Tage
Schon einen Tag vorher ist eine gewisse Spannung in der Luft. Die ARANUI 5 wird sehnsüchtig erwartet. Auf Ua Pou leben 2157Einwohner. Das Schiff bringt bestellte Waren, auf die man sehnsüchtig wartet, da kommen Baumaterial, Geräte, Nachschub für die Läden und eine grosse Handvoll Touristen.
Im Artisanal, ein Treffpunkt für alle, werden Kunsthandwerke ausgestellt. Wunderschöne geschnitzte Skulpturen, oder Ketten aus Samen oder Seeigelstachel, oder Knochen, oder ... ganz viel verschiedene Dinge. Ich stöbere so rum und geniesse die Farben hier. Stoffe zum Beispiel sind immer bunt und farbig. Meist mit floralen Mustern. Ich beobachte den Holzschnitzer Stephane - die Figuren König oder Krieger sind faszinierend schön geschnitzt, mit Ornamenten und auf Hochglanz poliert. Zu gerne hätte ich eine solche Figur (60 cm gross) mitgenommen.
Im der Mitte dieses Kulturortes sind Stühle aufgestellt. Zuerst spielt eine Gruppe Männer und Frauen Gitarren, Trommel und Ukulele. Diese Gruppe bleibt auch nicht immer gleich, den plötzlich steht einer auf und ein anderer übernimmt seinen Platz. Es ist eine lebensfröhliche und aufstellende Musik.
Später kommt das Highlight - der Tanz, ähnlich wieder Haka der Maori in Neuseeland. Vier Männer und drei Frauen tanzen, die Frauensingen dazu. Die Trommler begleitet sie rhythmisch.
Zwei Tage vorher haben wir den jungen Simon am Strand kennengelernt. Er ist einer der Tänzer. Viele Tattoos schmücken seinen Körper, um den Hals trägt er eine Kette aus grossen Schweinezähnen und einem Teil des Rinderschädels. Sieht imposant aus! Sein Lebensunterhalt verdient er sich mit Fischen. Für ihn ist Ua Pou das Paradies.














Die Berge rufen
Vom Cockpit aus sehen wir die Berge von Ua Pou. Meistens sind sie wolkenverhangen. Sie sehen mystisch aus. Der höchste Bergheisst Oave (1203 m). Ua Pou heisst zwei Säulen. Insgesamt stehen dort 12 hochaufragende Basaltspitzen. Die Gegend rundherum ist durch tiefe, wildverwachsene Täler schwer zugänglich.
Endlich wieder einmal wandern gehen. Das ist unser Wunsch. Wir suchen uns eine Route, die Traverse. Sie führt von Hakahau über den Berg nach Hakahetau. 4 Stunden, Guide empfohlen. Der ist aber teuer, das wollen wir nicht. Der erste Versuch läuft schief, wir finden den Einstieg nicht, weil wir viel zu weit nach oben gelaufen sind. In einer Bananenplantage stecken wir fest. Endstation.
Beim zweiten Versuch, wir haben etwas nachgefragt, wo wir den Einstieg finden, und nach etwas Suchen finden wir ihn endlich. Der ganze Weg ist nicht gekennzeichnet. Wer aufmerksam ist, erkennt immer wieder mal eine Einkerbung an den Bäumen. Auf schmalen Wegen geht es rauf und runter, dem Hang entlang, über kleine Bächlein, auf einen Berg steil hoch, der Krete entlang und schlussendlich runter ins dicht überwachsene andere Tal. Oft waren wir unsicher, ob wir wirklich noch auf dem rechten Pfad sind. Verlaufen hätte nicht gutgetan. Aber es ging alles gut. Nach über 4 Stunden erreichen wir Manfreds Reich.





Der Schokolademann
Manfred Drechsler kommt ursprünglich aus Ostdeutschland, ist 1987 nach Tahiti ausgewandert und nun seit 26 Jahren hier auf Ua Pou. In Tahiti hat er Helikopter geflogen, elektrische Überlandkabel verlegt und Touristenrundflüge gemacht. Nun ist er bald 70 und produziert seit Jahren eine sehr lecker schmeckende dunkle Schokolade. Der Anbau der Kakaofrucht und die Produktion der Schokolade hat er sich selber beigebracht, getestet, verändert, getestet und kreiert heute ständig neue Varianten. Die Herstellung dieser Schokolade sowie sein Rezept sind absolut geheim. Nicht einmal seine Frau weiss dieses Geheimnis - die Werkstatt oder Labor betritt nur er.
Als die Aranui 5 da war, haben wir ihn kennengelernt. Er gab mir damals die Schokolade mit Orangencreme und Maracuja zu probieren - wow, sehr gut! Killer nennt er sie. So beschlossen wir - Manfred besuchen wir in seinem Reich.
Alles hat er selber gemacht. Die Palmen gefällt um Platz für seine Hütten, seine Obstbäume und seinen kleinen Pool zu bauen. Sehr einfach und hübsch dekoriert lebt er mit seiner Frau aus Ua Pou hier. Im Garten gedeihen viele exotische Pflanzen wie Kaffeebohnen, Mandelbaum (marquesisch),Kakaofrucht, Linsen, Brombeeren (exotisch), Sternfrucht (Karambol),Pampelmusen, Bananen, Kokosnüsse, Papaya, Basilikum... Herrlich! Alles selber angebaut. Dazwischen rund 50 Katzen (gut gegen Ratten), 3 Hunde und viele Hühner. Wenn's kleine Küken gibt, hat er die gelegten Eier nicht gefunden 😉.
Manfred wurde auch schon vom Fernsehen besucht und ist sogar in einem Buch von1999 auf der Karte vermerkt. Jeder kennt ihn auf der Insel (und in ganz French Polynesien und noch weiter weg).
Da uns der lange Wanderweg echt müde und schlapp gemacht hat, fragen wir ihn, ob er uns zurückfahren könnte. Da er noch Kommissionen in Hakahau zu machen hatte, hat das gepasst und er uns mitgenommen. Wir haben uns mit einer grossen Ladung Schokolade von ihm eingedeckt. Danke für deine Geschichten Manfred.







Dies war ein sehr schöner Ausflug!
Das Wetter scheint zu stimmen, morgen geht’s weiter zur nächsten Insel - Hiva Oa.
Bye, bye