
66 - Panama Kanal
Shelter Bay Marina
Was ist denn das? Ein Baumstamm im Wasser? Aber der schwimmt ja in die verkehrte Richtung!
Tatsächlich – wir sehen das Krokodil doch noch. Es bewegt sich langsam und lautlos hinter unserem Schiff durch und verzieht sich ins Gebüsch an Land.

Unsere Vorbereitungen für die Kanaldurchfahrt kommen in Gang. In Florida/USA bestellten wir Ersatzteile und die neue Ankerkette (80 m). Als sie wie angekündigt eintreffen ,montiert Ruedi die Kette sofort, mit Unterstützung von John vom Nachbarboot.

Viele weitere Arbeiten erledigen wir in dieser Marina:
Bimini imprägnieren, Batterieladegerät auswechseln, WC-Deckel-Scharniere ersetzen, Cockpit-Tisch abschleifen und neu lackieren, Teakdeckleicht abschleifen, Material im Schiff ausmisten/sichten und neu lagern, Spinnaker-Segel und Fock inspizieren, Schoten und Seile neu organisieren und verlegen, OpenCPN-Charts runterladen und installieren, Navionics-Abo erweitern, Foto- und sonstige Datensichern, alle PC-/Tablet- und Handygeräte Software-Updates, Proviant einkaufen und lagern, neue Proviantliste erstellen, Informationen über FP einholen, Vortrag über Pazifik besuchen, etc.
Silber-und Goldtransportweg
Trotz den vielen Erledigungen machen wir einen Tagesausflug zum Fort San Lorenzo.
Neun Kilometer auf Asphalt durch den Regenwald. Andauernd werden wir von Einheimischen auf ihren Rennvelos überholt; es ist ihre Trainingsroute. Zuerst gelangen wir zum Ufer des Río Chagres. Er hat eine spannende Geschichte, weil er vor ein paar Jahrhunderten der Silber- und Goldtransportweg war. Es gab zwei Routen vom Atlantik zum Pazifik: Camino La Cruces vom Río Chagres / Fort San Lorenzo bis Cruces, dann weiter auf dem Landweg bis zum Pazifik. Camino Real von Portobelo/Nombre de Díos / Fort Portobelo über Land nach Panama Viejo.
Doch Piraten wie Frances Drake oder Henry Morgen überfielen die Stätten, zerstörten sie.
1881 startete man den Bau des Panamakanals. Die Franzosen wollten eine Wasserstrasse ohne Schleusen bauen, scheiterten aber an den finanziellen Mitteln. Sie gaben 1889 auf. Bis dahin starben 22'000 Arbeitern vor allem an Gelbfieber und Malaria. 1894 übernahmen die US-Amerikaner den Bau der 2. Etappe bis zur Vollendung. 1914 wurde der Panamakanal (82 Kilometer) offiziell eröffnet. 1999wurde der Kanal an Panama übergeben.





Zurück in der Shelter Bay Marina:




Auch alte Rahsegelschiffe sind hier anzutreffen. Zuerst die «Pelican of London» ein Dreimaster Barquetine immatrikuliert in Grossbritannien mit vielen Jugendlichen an Bord, welche eine halbjährige Segelreise damit unternehmen. Sie lernen Segeln, werden unterwegs geschult und setzen Projekte in Costa Rica um. Ein paar Tage später kommt die «Thalassa», ebenfalls ein Dreimaster, immatrikuliert in Niederlande. Auch hier sind Jugendliche unterwegs. Eindrückliche Schiffe sind das.

Als wir unseren Termin für den Panamakanal haben, erreicht uns eine Mail von Agnes. Sie hat in der gleichen Firma gearbeitet wie ich und möchte uns nun besuchen kommen. Da sie gerade geschäftlich in USA ist, passt dies. Wir freuen uns, denn es reicht zeitlich genau für die Durchfahrt des Kanals! So kommt sie ein paar Tage vorher auf unser Schiff. Zum ersten Mal auf einem Segelschiff!
Eines Tages kommen Wiebke und Ralf mit der FLORA angereist. Ihren Blog kennen wir schon lange, aber nun können wir uns endlich kennenlernen. Zusammen verbringen wir Stunden mit Spielen – Domino Mexican Train – das macht Spass, wir lachen viel. Schade, dass sie so bald weiterziehen.


Am Sonntagabend treffen sich die Segler beim Grill zum Potluck. Das mitgebrachte Essen ergibt jedes Mal ein sehr buntes und feines Buffet. Andere Segler kennenlernen ist einfach, dabei wird viel gelacht und gequatscht.


Einkaufen und die Strassen von Colón
Der gratis Shoppingbus von der Marina fährt zwei Mal täglich. Der Rancher/Chauffeur ist sehr hilfreich, ihn kannst du fast alles über Colón und Einkaufen fragen. Er hat seine Route, aber er fährt dich auch dorthin, wo du hinwillst. Das Einkaufszentrum 4 Altos reicht eigentlich aus. Die Innerstadt von Colón ist wie bereits beschrieben nicht geeignet für einen Einkaufsbummel. Höchsten der Markt, der ist vielfältig mit frischem Obst und Gemüse.







SIN 6022011
Das ist unsere Passage-Nummer. Pünktlich um 14 Uhr fahren wir mit unserem Gast und den Linehandlers aus der Marina an den Ankerplatz. Leider verschiebt sich die Ankunft des Advisors, der uns durch den Panamakanal begleitet um eineinhalb Stunden. So verbringen wir die Wartezeit mit Plaudern und essen schon mal was.
Dann trifft LOUIS ein und los geht’s. Ab zu den Gatún-Schleusen. Und dort verbinden wir uns mit den beiden anderen Schiffen, in der Mitte liegt wieder der grosse Katamaran und die beiden Segelboote (Monohulls) sind an Steuer- und Backbord befestigt.
Und ab geht’s. Es ist mittlerweile dunkel geworden, doch die Schleusen sind hell erleuchtet. In drei Schleusenkammern werden wir 26 m höher gehoben. Nicht viel, oder?
Bei der Ausfahrt lösen wir uns von den beiden anderen Schiffen und fahren zu unserem Nachtplatz, einer grossen Boje.
Jetzt sind wirklich alle sehr hungrig und geniessen das Abendessen. Es ist spät, alle fallen so richtig in ihre Kojen.
Am nächsten Morgen trifft der Advisor AMADO kurz vor acht Uhr ein. Wir lösen die Leinen und fahren los, es sind doch 28 NM die wir nun über den Lake Gatún unter Motor fahren müssen. Segeln geht nicht und ist auch nicht erlaubt. Genug Zeit, um gemeinsam das Frühstück zu geniessen. Amado ist sehr sympathisch und angenehm.
Vor der PEDRO MIGUEL Schleuse nesten wir uns wieder zusammen (Paket aus drei Schiffen) und fahren in die Schleuse rein. Dort müssen wir wieder warten, bis der grosse Frachter hinter uns reinfährt. Auch diese Zeit nutzen wir – es gibt Mittagessen.
Bei der Einfahrt in das letzte Schleusendoppel müssen wir wieder unerwartet warten. Die Helfer, die die dünnen Leinen mit dem Ball für die Leinen werfen müssen, sind nicht rechtzeitig da. Auch der Frachter wird gebremst und an die Mauer verlegt. Nach einer guten halben Stunde ist es so weit, wir dürfen rein in die Schleuse.
Und dann sind wir drüben, das Schleusentor geht auf und der Pazifik ist vor uns. Schön 😊.
Alles ist gut gegangen und hat Spass gemacht. Danke allen Helfern für die Passage.




















Wir ankern vor der Marina Playita und kommen erstmal richtig an – im Pazifik. Es war ein sehr eindrückliches Erlebnis, diese Panamakanal Passage.
Biomuseo
Mit Agnes erkundige ich gleich am nächsten Morgen das Biomuseum. Es zeigt die Vielfalt von Flora und Fauna im Isthmus Panama. Der Architekt des Gebäudes heisst Frank C. Gehry. Für mich ist dieses Museum innen wie aussen höchst interessant. Und mit Agnes macht es besonders Spass. Sie wird am nächsten Tag abreisen.




Jetzt bereiten wir uns auf die lange Überfahrt nach Französisch-Polynesien vor.
Bye 😊